Kraftwerk Voerde wurde am 21. August 2026 um 12 Uhr weiter mit der Sprengung eines Kraftwerksblocks zurückgebaut und damit verschwand ein weiterer Teil eines der wohl größten Lost Places des Ruhrgebiets.
Bereits im September 2023 haben wir von der Sprengung des riesigen Kühlturms an der Frankfurter Straße in Voerde berichtet, heute waren dann die Blöcke des Kraftwerks an der Reihe.
Kraftwerk Voerde seit zehn Jahren stillgelegt
Im Herbst 2015 erhielt die Betreiber Firma STEAG den Auftrag zur Abschaltung des Kraftwerks durch den Anteilshaber RWE. Bis Ende September 2016 sollten die Blöcke Voerde A und Voerde B abgeschaltet werden. Bald darauf sollten auch West 1 und West 2 stillgelegt werden. Der finale Termin aller vier Blöcke wurde auf den 21.03.2017 gelegt.
Das Kraftwerk ragte mit seinem riesigen Kühlturm (165m) und seinen massiven Kraftwerksblöcken seit 1970 über den Stadtteil Götterswickerhamm und löste anfangs gemischte Gefühle bei den Anwohnern aus, die Sorge um die Umwelt der grünen Region direkt am Rhein hatten. Seit den frühen 2000er Jahren entwickelte sich das Kraftwerk Voerde langsam zur Landmarke und wurde weitgehend von der Bevölkerung akzeptiert und zum Fotomotiv, weil es so massiv in der Natur auftrat.













Sprengung erfolgte nach Plan
Bereits um 11 Uhr stehen viele Zuschauer auf dem Deich und suchen sich ihre Spots, um die Sprengung zu verfolgen. Neben uns stehen zwei Fotografen aus Dortmund, die sich in ihrer Freizeit zwar primär mit Zechen, heute aber auch mit der Sprengung des Kraftwerks Voerde beschäftigen. Wir tauschen uns viel über die Stollen unter dem Ruhrgebiet aus und so vergeht die Zeit des Wartens wie im Flug.
Als um kurz vor 12 Uhr die Warntöne über der Region ertönen, steigt die Anspannung bei den hunderten Zuschauern rund um das Kraftwerk. Viele Fotografen und Journalisten haben sich an den besten Punkten versammelt, um einen guten Blick auf die Sprengung der Kraftwerksblöcke zu bekommen. Wir haben uns einen Platz auf einer der Zungen direkt am Rhein gesucht, um die Sprengung des Blocks von hier aus zu verfolgen. Mit einigen Fotografen, Familien und Kindern ist hier viel los am Deich.
Minuten vor der geplanten Sprengung ist es um 11:59 komplett still. Niemand redet, alle starren gespannt auf das Kraftwerk und halten den Atem an. Die ersten Kameras laufen schon und filmen, die Fotografen halten ihren Fernauslöser für die Serienbilder fest in der Hand. Neben mir murmelt ein Zuschauer dann „jetzt ist es 12 Uhr…“ und schon hallt uns der erste Knall entgegen, mit dem Vögel aufgescheucht werden sollen – so kannten wir es schon von der ersten Sprengung vor drei Jahren. Dann blitzt es plötzlich und um uns herum klicken die Kameras, während der große Kraftwerksblock in Sekunden zu Boden sinkt. Kurz darauf erreicht uns die Druckwelle und wir hören den Knall der Sprengung.
Unter einem lauten Krachen fällt der Block mitsamt seines Treppenturms in einer Staubwolke zu Boden. Kurz darauf ist nur noch Rauch zu sehen. Das Beben der Tonnen an Material, die plötzlich zu Boden stürzen, ist spürbar.


Nun ist das Kraftwerk ein ganzes Stück kleiner geworden und wird bald nahezu vollständig dem Erdboden gleichgemacht sein, sodass die Aufräumarbeiten weitergehen können.
Danke an Martin S. für die Aufnahmen.





