Eine verlassene Zeche, die zum Verbund Niederberg gehörte, befindet sich am Stadtrand von Tönisberg bei Kempen, im westlichen Nordrhein-Westfalen.
Geschichte der Zeche Niederberg
Die am 16.09.1911 von den drei Gewerkschaften Süddeutschland, Ernst Moritz Arndt und Großherzog von Baden gegründete Niederrheinische Bergwerks-Gesellschaft mbH unterhielt mehrere Schachtanlagen im westlichen Ruhrgebiet. Schacht 1 wurde bereits 1912 abgeteuft.
Schacht 4, der sich zwischen Tönisberg und Kempen befindet, wurde ab 1959 abgeteuft. Er wurde, anders als die Schächte 1,2 und der spätere Schacht 5, im Kohlefeld Georg errichtet, der an das Feld Süddeutschland angrenzte, welches zum Verbund der Niederrheinische Bergwerks-Gesellschaft mbH gehörte.
Die Zeche wurde auf dem Mühlenberg in Tönisberg errichtet und von einem 28 Meter hohen, hölzernen Turms aus wurde ein ausgemauerter Schacht 534 Meter tief in den Berg getrieben. 1962 wurde der hölzerne Turm durch einen Förderturm aus Stahl ersetzt, die übrigen Zechengebäude wie Weiß- und Schwarzkaue fertiggestellt und die Zeche schließlich in Betrieb. Daraufhin wurde in Tönisberg eine Bergarbeitersiedlung gegründet und 300 Familien der Kumpel dort angesiedelt.
Bereits im Folgejahr wurde mit den Teufarbeiten für den Zentralförderschacht 5 auf dem Gelände von Schacht 1 und 2 begonnen.
Schacht 4 hat nie gefördert
Zwar wurde Schacht 4 der Zeche Niederberg für die Seilfahrt genutzt, jedoch wurde hier nie Steinkohle gefördert. Stattdessen diente der Schacht neben der Seilfahrt von Personen und Material nur zur Belüftung der Grube. Es war ein Wetterschacht, der theoretisch für die Förderung von Kohle genutzt werden konnte.
Die Stilllegung von Schacht 4 erfolgte 2001 und bereits 2002 wurde der nur 535 Meter tiefe Schacht mit 13.350 Kubikmetern Beton verfüllt.
Schacht 4 der Zeche Niederberg heute
Politisch kam das Thema erst 2013 so richtig in Bewegung. Da erteilte die Stadt Kempen der Ruhrkohle AG (RAG) die Genehmigung, das Fördergerüst und einige leer stehende Gebäude auf dem früheren Zechengelände abzureißen und zu rekultivieren. In einigen anderen Gebäuden, die auch damals erhalten bleiben sollten, produzierte die Firma Naue Spezialfolien beispielsweise zur Abdichtung von Deponien. Diese Abrissgenehmigung brachte einige Politiker auf den Plan. Sie erinnerten an eine Expertise des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege. Das hatte 2002 mit dem Verfahren zur Unterschutzstellung der stillgelegten Anlage begonnen. Das Gutachten lag unbeachtet in einer Schublade in der Kempener Bauverwaltung.
Abriss wurde verhindert
Nachdem der Abriss des stählernen Förderturms unter massiven Protesten verhindert werden konnte, konzentrierte man sich auf eine Neuverwendung des verlassenen Zechengeländes.
Geplant seien für das Areal eine Grünanlage und ein gastronomischer Betrieb, welcher insbesondere im mittlerweile denkmalgeschützten Förderturm unterkommen solle. Konkret stehen das Fördergerüst samt Schachthalle, das Fördermaschinenhaus und ein weiterer Bau als Industriedenkmale unter Denkmalschutz.
Neben den Plänen einer „Grünanlage“ und der Gastronomie, sehe die Eigentümergesellschaft vor, das Gelände zu einem modernen „Campus“ zu verwandeln – ein Wort, das man ständig hört, wenn es um die Zukunft von Lost Places geht. Dazu sollen sich offenbar Unternehmen dort niederlassen, die mit modernen Techniken arbeiten und voneinander profitieren könnten.
Der Schacht 4 der Zeche Niederberg erstreckt sich über eine Fläche von ungefähr 6,5 Hektar und ist größtenteils von Bäumen umgeben. Der ehemalige Mitarbeiterparkplatz wurde abgesperrt, auf dem Vorplatz wurden reihenweise LKW abgestellt. Auf dem Gelände sind zudem gelegentlich Fahrzeuge unterwegs, die offenbar für die Sicherheit des Geländes sorgen sollen. Spuren von dem ursprünglichen Plan, auf dem verlassenen Gelände der Schachtanlage einen Innovations-Campus zu eröffnen, finden sich bisher lediglich im Gebäude neben der ehemaligen Kantine. So scheint ein Teil der verlassenen Zechengebäude von einer Firma für Softwareentwicklung genutzt zu werden. Ob ein Start-up für Feldroboter, von dem 2020 noch in den Medien die Rede war, ebenfalls bereits auf dem Gelände unterkommen konnte, ist unklar. Die Inhaber-Gesellschaft verfügt offenbar über keine eigene Internetseite, auf der sich Interessenten Informationen einholen können – vielleicht sind also doch noch nicht alle rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt, die mit der Umfunktionierung eines einstigen Schwerindustrie-Komplexes zu einem „Innovations-Campus“ einhergehen.
Quellen
https://www.wz.de/nrw/kreis-viersen/kempen-und-grefrath/toenisberg-auf-dem-zechengelaende-soll-die-zukunft-im-fruehjahr-2021-beginnen_aid-52254133
https://www.rheinische-industriekultur.com/seiten/objekte/
orte/kempen/objekte/zeche_niederberg.html
https://www.moderne-regional.de/foerdergeruest-niederberg-4/
















