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Das Clickbait-Problem mit Lost Places auf YouTube

Wer nur einmal nach „Lost Places“ auf YouTube sucht, dem werden hunderte Videos mit scheinbar unglaublichen Geschehnissen gezeigt, die eine Sensation nach der anderen thematisieren, hinter denen jedoch häufig nur Clickbaiting steckt. Auffällig ist hierbei, dass es sich besonders häufig um die übelsten Verbrechen und die schrecklichsten Entdeckungen auf den besuchten verlassenen Orten handelt, die noch niemandem zuvor aufgefallen sind. Doch wieso ist das ein Problem?

Teufelskreis Clickbait

Einige YouTube Creator verstehen es seit Jahren, ihre Videos möglichst reißerisch zu benennen und mit passenden Thumbnails, den Vorschaubildern auf der Plattform, zu versehen, die vermeintliche Entdeckungen zeigen, aber doch zu stark verpixelt sind, um die angeblichen Inhalte zu erkennen. Im Laufe des Videos kommen jene verpixelten Gegenstände dann oftmals gar nicht vor oder entpuppen sich als völlig harmlos, was dann die Frage aufwirft, wieso sie also auf das Vorschaubild, dem einzigen Aushängeschild des Videos, platziert werden mussten.

Clickbait ist Gang und Gebe

Offensichtlich ist diese Methodik schon uralt auf der Videoplattform und keine Seltenheit in diversen Kategorien. Das rührt besonders daher, dass sich Creator mit ihren Videos von der Masse abheben müssen und Titel beziehungsweise Thumbnail die ersten Kontakte zu potentiellen Zuschauern sind. Fällt ein Plakat in der Öffentlichkeit durch auffälliges Design und harte, kurze Titel auf, so bedienen sich Vorschaubilder auf YouTube dem gleichen Effekt. Hier wird allerdings gerne mal mehr über die Strenge geschlagen, als im Marketing auf der Straße, da es im Internet schon immer um Übertreibungen ging und es dafür keine wirklichen Konsequenzen gibt – es ist einfach üblich geworden. So würde ein irreführendes Plakat einer seriösen Firma höchstwahrscheinlich zügig zu harscher Kritik führen oder gar als unlauter gelten, während Kritik auf Plattformen wie YouTube möglicherweise untergeht oder gar zensiert wird. Dazu kommt, dass sich Thumbnail und Titel auch nachträglich noch schnell ändern lassen, sollte mal eine Übertreibung zu viel verwendet worden sein..

Legitimation durch Standardisierung?

Doch ist es damit gerechtfertigt, dass es ja sowieso alle Creator so machen? Nicht unbedingt. Erstmal lassen sich auch reihenweise Lost Place Kanäle auf YouTube finden, die sich mehr der dokumentarischen Aufgabe widmen und die Schönheit und Geschichte verlassener Orte in ihren Videos thematisieren, während andere Creator sich der reinen Unterhaltung und Jagd auf Sensationen verschreiben. Dennoch ist besonders in der Urbex Branche auffällig, wie sich Videos in ihrer Extreme scheinbar bis ins Unendliche gegenseitig zu dominieren versuchen. Das liegt aber, wie bereits erwähnt, primär in den Versuchen, sich von der Masse abzuheben und das eigene Video interessanter zu machen. Dass den Zuschauern dabei oft falsche Versprechungen gemacht werden und diese dadurch potentiell enttäuscht werden, wird häufig gerne in Kauf genommen. Auf diese Weise ist es für kleinere Creator oft schwierig, die eigenen Videos unter dem großen Angebot auf YouTube ohne die beschriebenen Praktiken erfolgreich zu vermarkten. Genau das ist unser größter Kritikpunkt an Clickbaiting, also der Methode, durch falsche Versprechungen in Titel und Vorschaubild den Zuschauer oder die Zuschauerin zum Klicken auf das jeweilige Video zu überzeugen. Unter den vielen Lost Place Videos gehen zwischen dem ganzen Clickbait die wirklich interessanten Entdeckungen und die tatsächlich besonderen Orten völlig unter, sofern sie nicht von etablierten Kanälen stammen.

Es steckt nicht immer Gier dahinter

Wichtig zu betonen ist aber auch, dass unter Adrenalin, wie es häufig bei (illegalen) Lost Place Erkundungen der Fall ist, schnell falsche Schlussfolgerungen und starke Reinsteigerungen geschehen. Hierdurch kann während eines Videodrehs, der meistens ungeskriptet geschieht, schnell eine Fehlinterpretation entdeckter Dinge passieren, die später zum ausschlaggebenden Aspekt eines entsprechenden Titels oder Thumbnails wird.

Wir haben zuvor schon die etablierten Kanäle thematisiert. Einige wenige Kanäle verstehen es zum Glück, weitgehend auf irreführende Titel und Vorschaubilder zu verzichten und sich tatsächlich relativ sachlich mit Entdeckungen auf Lost Plcaes auseinanderzusetzen. Wie ebenfalls erwähnt, muss natürlich immer zwischen reinen Unterhaltungskanälen und Dokumentationskanälen differenziert werden. Bekannte Kanäle wie AdventureBuddy verfolgen eine gute Balance zwischen beiden Zielen und kommen dabei weitgehend ohne falsche Versprechungen und extreme Übertreibungen aus. Ein primär dokumentarisches Beispiel ist der englischsprachige Kanal The Proper People. Auf der anderen Seite gibt es aber auch größere Kanäle, auf denen so ziemlich das Gegenteil stattfindet. Hier werden Zuschauerinnen und Zuschauer mit etlichen roten Kreisen, unnötig verpixelten Dingen und Buzzwords wie „Tod“, „Geheim“ oder „Horror“ in Thumbnail und Titel überschüttet. Eine Sensation jagt die Nächste und jedes Video ist krasser und schockierender, als das andere. Offensichtlich funktioniert das auch ganz gut und da die nicht immer echten Geschichten, die in den Videos erzählt werden auch oft zum Titel passen, ist das Ganze vielleicht gut als Unterhaltung verbuchbar. Dennoch werfen solche Videos ein unauthentisches und unseriöses Licht auf diverse Orte, hinter denen vielleicht eine ganz andere, potentiell viel harmlosere Geschichte steckt. Wir finden, dass auch Lost Places, in denen keine verfluchte Person brutal ermordet wurde, objektiv interessant und in einem Video spannend sein können. Gleichzeit verstehen wir die Faszination für künstlich mystifizierte Lost Places, da ein Erkundungsvideo so vielleicht für einen noch stärkeren Adrenalinkick sorgt.

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