Auf unserer Lost Place Tour durch Belgien erkundeten wir ein verlassenes NATO-Radar samt riesigem, unterirdischen Kontrollbunker – eine ehemals geheime Militärbasis in einem kleinen Ort, die zur Luftraumüberwachung genutzt wurde. Der Lost Place in Belgien war ein wahres Highlight auf unserer Urbex Tour durch die Gegend Lüttich und Charleroi.
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Lost Place in Belgien: verlassenes NATO Radar mit Kontrollbunker
Weit abgelegen von Städten und Zivilisation, befindet sich eine ehemalige geheime NATO Militärbasis, die früher ein wichtiges Luftraumüberwachungsradar beherbergte. Das getarnte NATO-Radar konnte aus einem unterirdischen, riesigen Kontrollbunker aus gesteuert werden, den wir an diesem späten Abend als Erstes ansteuern. Über einen ziemlich versteckten Eingang, der einst als Fluchtweg diente, gelangten wir in das riesige Bunkernetzwerk unter der ehemaligen Basis in Belgien. Wie der Zugang in den Bunker funktioniert und wie es bei uns ablief, beschreiben wir in einem separaten Artikel über den verlassenen NATO Kommandobunker der Radarstation. Dort haben wir auch alles über die Funktionsweise des riesigen Radars recherchiert.
Erkundung des NATO-Radars: wir sind nicht alleine!
Während unserer Erkundung des Lost Places hörten wir plötzlich Geräusche, die wie Autotüren klangen. Als wir daraufhin die Umgebung beobachteten, fiel uns ein silbernes Fahrzeug auf, das vor dem Gelände geparkt hatte. Wir beobachteten, wie sich augenscheinlich andere Urban Explorer auf dem Weg zur stillgelegten Militärbasis machten und den Zaun entlang liefen.
Als sie an einem Loch ankamen, sahen sie sich noch kurz um, die beiden hindurchkrochen. Als sie näherkamen, erkannten wir, dass es zwei jüngere Explorerinnen waren, die sich nun auch das NATO-Radar ansehen wollten. Wir kamen kurz mit ihnen ins Gespräch und sie stellten sich als Urbexerinnen aus Frankreich vor. Wenige Minuten später verabschiedeten wir uns voneinander und machten uns auf den Weg in den Kommandobunker unter der Radarstation, während die anderen beiden sich das Luftraumradar ansahen.
Der riesige verlassene NATO Kommando-Bunker in Belgien
Wir kletterten das Rohr hinab, das uns in den Kommandobunker des Command and Response Centers (CRC Glons) führen sollte. Unten angekommen, fanden wir zunächst haufenweise geschälte Kabel vor, die hier offenbar von Kabeldieben zurückgelassen worden waren. Dann taten sich die ersten Schutzräume des Schutz-Bauteils des Kommandobunkers auf, die wir hinter uns ließen, um in den rund 300 Meter langen Fluchttunnel zu gelangen. Von dort aus ging es in eine Richtung: immer gerade aus, in Richtung Kontrollbunker!
Nach etlichen Minuten Gehen hörten wir die ersten Geräusche vor uns und hielten für eine Minute Inne. Wir schalteten die Taschenlampen für kurze Zeit aus, um uns besser auf die Geräusche fokussieren zu können und stellen dabei fest, wie unfassbar dunkel es hier unten war: kein einziger Funken Licht war hier sichtbar und binnen kürzester Zeit verlor man die Orientierung. Wir lauschten noch für kurze Zeit den undefinierbaren Geräuschen und setzten dann unsere Wanderung durch den stockfinsteren Tunnel fort, bis wir schließlich auf die Quelle der Geräusche stießen.
Geräusche im verlassenen NATO Bunker
Vor uns lag eine große Halle, in der es von der Decke tropfte. Am Boden waren bereits große Pfützen voll Wasser und dazwischen lagen Kabel und Metallreste, die augenscheinlich mal an der Decke befestigt gewesen waren. Einen Raum weiter entdeckten wir dann unzählige Gänge, die zu etlichen weiteren Räumen führten, von denen aus weitere Gänge abgingen. Es schien ein unterirdisches Labyrinth zu sein. Langsam begingen wir Raum für Raum und hatten dabei an einigen Stellen Mühe, uns zu orientieren. So tief unter der Erde und direkt unter einer ehemaligen Militärbasis hatten wir weder GPS noch Mobilfunk-Empfang für Navigation in dem NATO-Bunker, also waren wir auf uns allein gestellt.
Von unserem Zugang aus, gelangten wir in ein großes Treppenhaus, welches wir in dieser Größe in keinem Bunker erwartet hätten. Über breite Treppen ließen sich von hier aus mehreren Etagen in dem Bunker erreichen und wir beschlossen, uns systematisch durch den unterirdischen Militär-Komplex zu bewegen. In der unteren Etage erkundeten wir die zahlreichen technischen Betriebsräume, die über schmale Stollen miteinander verbunden waren. Hinter einer Türe erstreckte sich beispielsweise eine große Halle, in der früher die Stromversorgung des Bunkers untergebracht war. Trafos, die bis an die fünf Meter hohe Decke reichten und Schaltschränke mit zahllosen Schaltern, stellten den Strom bereit.
Einige Gänge weiter, etwa auf der hinteren Seite des Bunkers, gelangten wir durch eine schwere Türe in eine weitere enorme Halle, in der Wassertanks standen, mit denen früher vermutlich die Kommandozentrale des NATO-Radars mit Wasser versorgt wurde. In einer anderen Halle stand früher vermutlich mal das Notstromaggregat, das jedoch bereits zurückgebaut wurde.
Geheimer Drei-Etagen Bunker
Nach unserer ausgiebigen Erkundung der großen technischen Betriebsräume, waren wir überrascht, als wir hinter einer Türe ein weiteres Treppenhaus entdeckten, das uns direkt in die mittlere Etage führte. Hier fanden wir zahlreiche Büroräume und kleinere technische Einrichtungen vor. Von hier aus konnte früher das Radar gesteuert werden. Einige Räume wirkten viel zu klein auf uns, um uns vorstellen zu können, dass hier einst mehrere Personen arbeiteten. Dafür gab es jedoch enorm viele solcher Räume in dem unterirdischen NATO-Tunnelsystem. Nach einigen dieser kleineren Räume fanden wir dann einen großen Raum vor, in dem wohl früher alle Daten zusammenliefen und zentral ausgewertet wurden. Immer wieder erinnerten wir uns, dass wir ja gerade untertage waren, obwohl dieser Bunker wie ein normales Bürogebäude wirkte – abgesehen von den kahlen Betonwänden und den offen verlegten Kabeln überall. Selbst der graue Linoleumboden, wie wir ihn aus öffentlichen Gebäuden und Schulen kannten, war vorhanden.
Zugang vom Kontrollbunker in den Radar-Turm
Weil das Radar vom Kontrollbunker aus gesteuert werden konnte, gab es auch eine direkte Verbindung hinein. Diese Verbindung gab es nicht nur in Form von Kabelschächten, sondern auch für Personal, welches den Turm über einen breiten Tunnel erreichen konnte. Einer dieser Tunnel war extra breit gebaut, damit Fahrzeuge hindurchpassten, um Ausrüstung in den Kommandobunker bringen zu können. Als wir den Tunnel entlang liefen und uns den geschlossenen, gelben Türen am Ende nährten, bemerkten wir, dass diese deutlich besser in Takt aussahen, als der Rest des Bunkers. Von den gelben Drucklufttüren gingen zahlreiche Kabel und Schläuche ab und als wir näher kamen, fiel uns auf, dass nachträglich verlegte Kabel an der Ecke aus dem Bunker führten. War dieser Bunker etwa doch überwacht?
Gerade als wir probieren wollten, die Türe zu bewegen, fiel uns eine Einrichtung an den Türen auf, die wie ein Bewegungssensor aussah, wie wir ihn von Fenstern und Türen in Bürogebäuden kannten.
Wir beschlossen, es dennoch zu versuchen und sollten natürlich scheitern, da die Türen von außen versperrt waren. Durch eine kleine Lücke konnten wir mithilfe einer Handykamera nach draußen sehen und stellten fest, dass dort etliche Rollen NATO-Stacheldraht platziert worden waren. Außerdem erkannten wir die Kabel, die wohl nachträglich verlegt worden waren, die hier nach oben führten.
Wir kehrten um und machten uns auf den Weg zurück zu dem langen Tunnel, durch den wir in den Bunker gekommen waren.
Nach vielen Stunden Bunkerluft waren wir erleichtert, als wir endlich wieder im Vorraum des Schachts standen, durch den wir in den Bunker hinabgestiegen waren, und wieder frische Luft atmen konnten.
So funktionierte das verlassene NATO-Radar in Belgien
Mit dem sensiblen NATO Luftraumüberwachungsradar konnten die belgischen Truppen eine große Fläche des belgischen und luxemburgischen Luftraums überwachen. Im Falle ungeklärter Vorkommnisse wurde umgehend reagiert und das CRC Command and Response Center stand ggf. umgehend in Kontakt mit Abfangjägern. Zu seiner Betriebszeit half der Radar-Turm unter anderem bei der Aufklärung von Flugzeugen mit Kommunikationsverlust und beim Abfangen von unautorisierten Maschinen in geschützten Lufträumen. Auch größere Drohen konnten von dem Luftraum-Radar identifiziert werden. Die heute verlassene Überwachungsstation überwachte so beispielsweise die Lufträume von Kernkraftwerken und militärischer Infrastruktur und wirkte über große Distanzen.
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So funktionierte das ehemalige NATO-Radar
Die Radarantenne des Überwachungsturmes drehte sich ununterbrochen und konnte 24 Stunden am Tag den gesamten Luftraum über Belgien und Luxemburg überwachen. Der Radar-Turm ist bis auf die geheime Überwachungstechnik noch immer mit Technik und Geräten ausgestattet, ein Großteil der Hochspannungstechnik wurde bereits entfernt. Wie die Anlage ausgestattet war und was sich noch auf dem Gelände befindet, beschreiben wir in einem eigenen Artikel über das verlassene NATO Radar und in einem Video auf YouTube. Dort haben wir auch die exakten technischen Daten recherchiert und beschreiben die Funktionsweise.
Von der unterirdischen Zentrale aus konnten der Turm und die Luftoperationen kontrolliert werden. Gab es Unklarheiten beim Luftverkehr, so konnten jederzeit Kampfjets losgeschickt werden, um die Lage vor Ort zu prüfen. Die Datenauswertung geschah dabei live und es konnten Luftdaten in Echtzeit mit Jetpiloten ausgetauscht werden. Dazu war die Radarantenne extrem sensibel, wobei auch mit hoher Strahlung gearbeitet wurde. Radarwellen wurden ausgestrahlt, von Objekten im Luftraum reflektiert, und mit der Antenne wieder empfangen.

Technische Daten, Funktionsweise und wie man hineinkommt.
Weitere Einrichtungen auf dem ehemaligen Kasernengelände
Neben der Radaranlage und der unterirdischen Kontrolleinheit gab es noch zahlreiche Gebäude auf dem Gelände der Kaserne in Belgien. Auf dem Areal standen beispielsweise Unterkunftsgebäude, Aufenthaltsgebäude, eine Kantine und Werkshallen. Auch ein Funkergebäude hatte in der Kaserne neben zahlreichen Abwehrstellungen und kleineren Verteidigungsbunkern seinen Platz. In der Nähe des Antennenturms, etwas außerhalb der eigentlichen Kaserne, gab es außerdem einen Hubschrauberlandeplatz.