In der Stadt Hagen befindet sich ein großer Lost Place, die ehemaligen Gusswerke Geweke, der seit der Insolvenz 2016 stillsteht und seither zu den etlichen verlassenen Orten in Nordrhein-Westfalen gehört.
Über 100 Jahre lang produzierte die GEWEKE Gusstechnik GmbH & Co. KG hier metallische Gussprodukte. Schließlich musste die Firma jedoch Insolvenz anmelden und ihren Standort aufgeben, der daraufhin zum Lost Place wurde.
Das Gusswerk Geweke in Nordrhein-Westfalen war in seiner Stahlproduktion nicht auf Massenware, sondern auf hochpräzise gefertigte Einzelanfertigungen spezialisiert. Sie fertigte unter anderem Turbinenteile und andere Produkte – unter anderem für den Bergbau und für Atomkraftwerke.
Produktionsschritte in einem Gusswerk
Gusswerke wie die Firma Geweke in Hagen, stellten Metallteile her, indem sie flüssiges Metall in Formen gossen und das daraus entstandene Bauteil weiterverarbeiteten. Das Rohmetall konnte Stahlschrott oder Roheisen sein, das in besonders heißen Kupolöfen oder Siemens-Martin-Öfen geschmolzen wurde. Später wurden auch vermehrt Lichtbogenöfen zur Verflüssigung von Metall genutzt. Das Metall wurde auf Temperaturen von 1500° – 1650° erhitzt, die Schlacke entfernt und der flüssige Stahl schließlich in die Gießpfannen abgestochen.
Insbesondere für individuelle Bauteile eignete sich das Sandguss-Verfahren, bei dem zunächst ein Modellkasten aus Holz oder Metall hergestellt wurde, welcher mit Formsand verdichtet wurde. Anschließend ließ sich das Modellgerüst entfernen, sodass der Hohlraum bestehen blieb, der dann mit flüssigem Stahl gefüllt werden konnte. Um die Formen zu planen, sie umzusetzen und das fertige Bauteil nach der Aushärtung zu kontrollieren, war sehr viel Arbeit nötig. Das machte die Produktion von individuellen Bauteilen aus Stahl sehr teuer.
Gründung und Geschichte des Gusswerks
Das Gusswerk Geweke wurde am 03.12.1910 von Richard und Carl Richard Lange gegründet und ab Juli 1939 zu einer Kommanditgesellschaft (KG) weiterentwickelt, sodass die Fabrik fortan Eisenwerk Geweke R. & C.R. Lange hieß. Zu dieser Zeit hatte das Stahlwerk mit seinen 22 Kommanditisten ein Gesellschaftskapital von 546.443,13 Euro. Geweke war eine über Generationen geführte Familien-KG, die am 14.03.1980 schließlich zur Eisenwerk Geweke R. &C.R. Lange GmbH & Co KG wurde.
Schließung des Hagener Stahlwerks
Da individuelle Präzisionsbauteile, wie sie in Kraftwerken und anderen infrastrukturellen Industrien eingesetzt wurden, sehr teuer in der Produktion waren und das Investitionsvolumen in den 2010er Jahren stark abgenommen zu haben schien, sanken auch die Absatzzahlen des Gusswerks in Hagen.
Als die Firma GEWEKE Gusstechnik GmbH & Co. KG Stahl- und Edelstahlformguss ihren letzten Stahl produzierte, arbeiteten noch 54 Mitarbeiter in dem Stahlwerk in Hagen. Zuvor hatte das Eisenwerk im Zuge seiner Insolvenz 2016 bereits 17 Mitarbeiter entlassen müssen, um seinen Betrieb noch aufrechtzuerhalten. Abseits der zwei weiteren Mitarbeiter, die zu einem anderen Betrieb wechselten, verblieben 2016 also noch die letzten 54 Mitarbeiter in dem Eisenwerk Geweke. Mit der verkleinerten Belegschaft erhoffte sich die Geschäftsführung, den Betrieb des Eisengusswerks wieder wirtschaftlich machen zu können. Zugleich waren Modernisierungen der Produktionsabläufe geplant und der Vertrieb sollte gestärkt werden. Dazu erfolgte eine Sanierungsmaßnahme durch Gesellschafterfinanzierungen, indem nahezu alle Teilhaber der KG ihre Einlagen in das Stahlwerk erhöhten.
Trotz der Pläne, den Betrieb des Gusswerks im Zuge der Insolvenz in Eigenverwaltung wieder wirtschaftlicher zu machen, musste das Stahlwerk Geweke 2018 endgültig seinen Betrieb einstellen. Die Geweke Gusstechnik GmbH blickte damit auf über 100 Jahre Firmengeschichte in der Stahlindustrie zurück, die 2018 ein Ende finden mussten. Hagen verlor damit eines seiner letzten Stahlwerke.
Das Insolvenzverfahren wurde am 27.12.2024 geschlossen.
Verlassenes Gusswerk in Hagen: so geht es weiter
In einem Informationsblatt auf ihrer Webseite präsentierte die Stadt Hagen ein Konzept zur Umfunktionierung des verlassenen Gusswerks in ein Wohngebiet. Auf dem Gelände, das stellenweise noch mit Altlasten belastet ist, sollen ein „[…] Nutzungsmix zwischen Mehrfamilienhäusern und Einfamilienhäusern […]“ realisiert werden, der „[…] unterschiedlichen Ansprüchen an Wohnraum gerecht (soll)“. Laut Informationsblatt könnten dort bis zu 90 Wohneinheiten entstehen.
https://www.wp.de/staedte/hagen/article11694889/eisenwerke-geweke-in-hagen-melden-insolvenz-an.html
















